
„Unsere Stimmen, unsere Geschichten“ ist ein offenes Medienprojekt mit Menschen aus der iranischen und afghanischen Diaspora in Stuttgart. Das Projekt wird im Rahmen des Shift-Stipendiums der Stadt Stuttgart gefördert.
Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Arbeiten mit Film, Sprache und persönlichen Geschichten. Nicht Diskussionen allein bilden den Ausgangspunkt, sondern das gemeinsame Tun: sprechen, zuhören, filmen und gestalten.
In den Communities gibt es unterschiedliche politische, kulturelle und persönliche Sichtweisen. Das führt manchmal zu Abstand oder Sprachlosigkeit. Das Projekt versucht deshalb nicht, alle auf eine gemeinsame Meinung zu bringen. Stattdessen entsteht ein Raum, in dem Menschen trotz Unterschiedlichkeit miteinander arbeiten und ins Gespräch kommen können.
Die Treffen beginnen bewusst ohne Kamera. Zunächst geht es um Begegnung und Vertrauen. Themen wie Sprache, Migration, Alltag, Erinnerung oder Erfahrungen des Neuanfangs tauchen dabei oft von selbst auf. Erst später entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam Ideen für kurze filmische Szenen und probieren einfache Formen des partizipativen Videos aus.
Partizipatives Video bedeutet hier: Die Beteiligten entscheiden selbst mit, welche Themen wichtig sind und wie sie dargestellt werden. Dadurch werden Menschen nicht nur gezeigt oder beschrieben, sondern erzählen ihre Geschichten selbst.
Das Projekt verbindet gemeinsames Lernen mit kreativer Arbeit. Beim Filmen, Planen und Austauschen entstehen neue Kontakte und Gespräche. Viele erleben dabei, dass Zusammenarbeit oft leichter Brücken baut als politische Diskussionen allein.
Im gemeinsamen Filmemachen entsteht eine besondere Form der Begegnung. Menschen müssen Entscheidungen teilen, Perspektiven abstimmen und einander wahrnehmen. Dadurch wird Film nicht nur zu einem Medium der Darstellung, sondern selbst zu einem sozialen Raum. Das gemeinsame Bild funktioniert dabei wie etwas Drittes zwischen unterschiedlichen Sichtweisen — etwas, das erst gemeinsam entsteht.
Besonders wichtig ist die Frage nach Stimme und Sichtbarkeit. Viele Menschen mit Migrationserfahrung erleben, dass über sie gesprochen wird, ohne dass ihre eigenen Perspektiven sichtbar werden. Das Projekt möchte deshalb einen Raum schaffen, in dem eigene Geschichten erzählt und geteilt werden können — offen, vielstimmig und ohne feste Rollen.
Die Treffen finden bei KISS Stuttgart statt und sind offen für Menschen mit und ohne Vorerfahrung. Gearbeitet wird auf Deutsch und Farsi.
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ov-os.de