Schaufenster der Selbsthilfe in Stuttgart
Unter dem Motto "aktiv . selbst . hilfe" stellten sich am 16. Juni mehr als 70 Stuttgarter Selbsthilfegruppen im Treffpunkt Rotebühlplatz mit Infoständen und Veranstaltungen vor. Veranstaltet wurde der Aktionstag von der KISS Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Stuttgart und dem Forum Gesunde Stadt Stuttgart.
Bei der Eröffnung, die von der KISS-Mitarbeiterin Eva Kriwy-Gottschalk moderiert wurde, betonte Dr. Susanne Eisenmann die Wichtigkeit des freiwilligen Engagements für unsere Gesellschaft. In Vertretung des Schirmherrn OB Dr. Wolfgang Schuster, der selbst verhindert war, bezeichnete sie den Aktionstag als Schaufenster dessen, was Selbsthilfe in Stuttgart leistet, und zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der aktiven Gruppen. Die Vorstandsvorsitzende des Trägervereins der KISS Stuttgart, Gisela Ewald-Scheunert äußerte den Wunsch, dass der Aktionstag auch ein "Mut-Mach-Tag" für alle sein möge, welche noch keinen Zugang zur Selbsthilfe in Gruppen als ganz spezifischer Form des bürgerschaftlichen Engagements gefunden haben. Zum Mitmachen ermunterte auch die kleine Abordnung der beteiligten Selbsthilfegruppen, die bei der Eröffnung beschrieb, was das Motto für sie persönlich bedeutet. Auf die Frage "Warum machen wir das alles" hatten die beiden eine ganz einfache Antwort: "Weil es uns dann besser geht - und wenn es uns besser geht, kann es auch der Allgemeinheit besser gehen."
Damit alle Menschen der Eröffnung folgen konnten, wurden die Redebeiträge von einer Gebärdendolmetscherin übertragen und die Texte auf eine Leinwand projiziert - auch die Liedertexte der Rosa Note, des schwulen Männerchors. Schwungvoll und neckisch spielten die Männer in ihren Songs mit den Klischees rund ums Schwulsein.
Der Volkshochschule Stuttgart hat als Aufgabenfeld auch die Gesundheitsförderung und arbeitet gerne mit Selbsthilfegruppen zusammen, wie Rüdiger Flöge, der Fachbereichsleiter Medizin und Gesundheitsfürsorge der vhs, in der Begrüßung als Gastgeber betonte. Die vhs stellt deshalb schon traditionell für den Aktionstag das Haus und die Infrastruktur des Treffpunkts Rotebühlplatz zur Verfügung, diese Kooperation erleichtert die Organisation und Finanzierung des Aktionstags für die federführende KISS Stuttgart ungemein. Finanziell und mit einem Infostand hat sich als weiterer Kooperationspartner das Forum Gesunde Stadt Stuttgart am Aktionstag beteiligt. Diesem Netzwerk von gesundheitsfördernden Einrichtungen in Stuttgart gehören sowohl die KISS Stuttgart als auch die vhs an.
Dieses Jahr wurde erstmals der Robert-Bosch-Saal für Stände genutzt und die Eröffnung fand im Foyer statt. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass keine Stände mehr im zweiten Stock untergebracht werden mussten, sondern auch den, dass mindesten teilweise die Menschen ihre Stände nicht verlassen mussten um der Eröffnung zu folgen. Ein kleiner Nachteil war, dass nur wenige Sitzplätze zur Verfügung standen, dafür war die Atmosphäre lockerer. Auch die Stände im Robert-Bosch-Saal wurden nach Anlaufschwierigkeiten mit dem Licht und der Luftversorgung gut vom Publikum angenommen. Neu war auch bei diesem Aktionstag, dass nicht nur Selbsthilfegruppen zur Teilnahme eingeladen wurden, sondern auch selbsthilfefördernde Einrichtungen. Diese Möglichkeit wurde von Lagaya, Wildwasser und dem Frauenberatungs- und -therapiezentrum Fetz genutzt, bei denen jeweils Selbsthilfegruppen angesiedelt sind und initiiert werden. Problematisch war der Termin leider diesmal für die Krebs-Selbsthilfegruppen, da parallel im Robert-Bosch-Krankenhaus eine große Veranstaltung mit Selbsthilfegruppenbeteiligung stattfand. Trotzdem konnten es einige möglich machen, beim Aktionstag vertreten zu sein.
BesucherInnen und Aktive nutzten auch gerne das kleine gemütliche Café, das die Tinnitus-Selbsthilfegruppe in den Räumen des Treffpunkts Senior betrieb. Neben anderem wurde auch glutenfreies Gebäck der Zöliakie-Selbsthilfegruppe angeboten. Viele Kameras wurden gezückt, als das Figurentheater Colori mit seinen farbigen auffallenden Gestalten zwischen den Ständen auftauchte und auf verblüffende und spektakuläre Weise die Unterschiedlichkeit von Menschen und ihren Beziehungen zueinander darstellte.
Manche Besucherinnen und Besucher waren gezielt wegen einzelner Veranstaltungen zum Aktionstag gekommen, zu Colori, zum "Tanz des Lebens", einem Theaterstück der Gruppe der AIDS-Hilfe, oder zu bestimmten Vorträgen, andere Besucherinnen und Besucher kamen eher zufällig auf dem Weg zu anderen Veranstaltungen vorbei, andere wollten sich über bestimmte Themen informieren oder auch allgemein über die Selbsthilfe in Stuttgart. Sie alle staunten über die Vielfalt der Themen und die Lebendigkeit der Selbsthilfe.
Die ersten Rückmeldungen von beteiligten Gruppen zum 7. Aktionstag sind positiv ausgefallen, es war insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Zur Auswertung haben wir an alle beteiligten Gruppen einen Fragebogen verschickt, schließlich gibt es immer noch was zu verbessern und zu lernen für weitere Veranstaltungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es Themen gibt, die auf mehr Interesse stoßen als andere, nicht an allen Ständen war der Andrang gleich groß, auch bei den Veranstaltungen war der Besuch unterschiedlich. Aber wir wissen ja, dass Quantität nicht so wichtig ist wie Qualität, dass wenige gute Gespräche oder wenige interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer so viel wiegen wie viele flüchtige Kontakte.
So eine gemeinsame Aktion stärkt das Bewusstsein für die Idee der Selbsthilfe - bei den Akteurinnen und Akteuren wie auch in der Öffentlichkeit. Deshalb hoffen wir vom KISS-Team, dass auch beim nächsten Aktionstag, der voraussichtlich 2010 stattfinden wird, wieder viele Selbsthilfegruppen mitmachen.
Weitere Texte zum Aktionstag der Selbsthilfegruppen:
Grußwort der Stadt Stuttgart durch Dr. Susanne Eisenmann
Begrüßung und Eröffnung durch KISS Stuttgart
Grußwort der Volkshochschule Stuttart